Ursprung und Entwicklung
EYPA ist ein transkulturelles Musikprojekt, das arabische Musiktradition mit dem Erbe des Krautrock in die Moderne bringt. Eyad Ghannam (Oud, Vocals) und Paul-Aaron Wolf (Synth, Drums, Voc, Produktion) lernen sich im Studium an der Popakademie Mannheim kennen und gründen 2022 EYPA. Aus der Begegnung wird kein Nebeneinander zweier Traditionen, sondern eine Frage: Funktioniert syrischer Sprechgesang, Zajal, über einem Motorik-Beat à la Klaus Dinger? Spielt ein Synth Maqams mit Vierteltönen? Funktioniert Taqsim-Improvisation in einer 8-Step-Sequenz nach der Berliner Schule? Daraus entsteht „Arab Krautrock".
Seit der Gründung: über 120 Konzerte, u.a. Jazz and Joy Worms, Fest der Kulturen Stuttgart, Support für Kazdoura, gebucht für Altin Gün und das Jerash Festival Jordanien (beide kriegsbedingt abgesagt). Dazu Musikworkshops, in denen arabische und westliche Klangkultur interaktiv erlebbar wird. Im März 2026 nimmt EYPA in erweiterter Besetzung — Percussion, Bass, E-Gitarre, Keys — das Live-Album „EYPA Community" im Theaterhaus Zwinger Heidelberg auf, begleitet von einem professionellen Videoteam. Seit 2026 auch bekannt unter dem arabischen Namen الراعي والذئب, „Der Hirte und der Wolf".
Sound und Konzept
Elektronisch verstärkte, effektmodifizierte Oud, selbst designte Synthesizer-Sounds nach Berliner Schule, dynamische Drums — das ist Arab Krautrock. Die Musik folgt einer Trance-Dramaturgie: von meditativer Ruhe zu energetisch-ekstatischen Momenten, die schnell von den Musikern aufs Publikum überspringen. Improvisation ist Prinzip, nicht Beiwerk — jedes Konzert entsteht neu. Seit 2026 spielt EYPA in größeren Besetzungen im Kreis, das Publikum drumherum, wodurch sich die Bühne-Publikum-Trennung auflöst.
Dafür steht auch das arabische كن, „Kun", das EYPA als Beinamen trägt. كن bedeutet „Sein" und beschreibt, was das Duo mit seiner Musik will: im Hier und Jetzt ankommen. Nicht zwei Kulturen nebeneinander, sondern Entgrenzung und Vermischung — eine vernetzte Identität, die dem modernen Zeitgeist und der Vision einer geeinten Gesellschaft entspricht.


Aktueller Stand
„EYPA Community" ist aufgenommen, Mix und Master stehen kurz vor Abschluss. Release: Frühjahr 2027, begleitet von einer Release-Tour mit mindestens sechs Konzerten durch Deutschland. Booking läuft in Eigenregie und in Zusammenarbeit mit We Artists. Am 29.11.2026 spielt EYPA in Quintett-Besetzung in der Reithalle Offenburg. Die Tourlogistik wird auf ein Elektrofahrzeug umgestellt, der Proberaum technisch aufgerüstet.
Januar bis Dezember 2027 will EYPA neue Musik komponieren, mit Musiker:innen und Texter:innen — Kompositions- und Textphasen sowie Arrangement und Proben in Mannheim und Heidelberg.
Neue Ausrichtung: Text und Stimme
Der nächste Schritt liegt im Text. Bisher hat EYPA über Klang und Improvisation gesprochen — jetzt soll die Musik auch Sprache werden. EYPA will eigene, mehrsprachige Texte schreiben und damit Menschen eine Stimme geben, die in unserer Gesellschaft zu wenig gehört werden: migrantische und z.T. von Flucht geprägte Perspektiven, über die meist gesprochen wird statt mit ihnen. Das Gewand dafür ist der eigene Sound — Zajal, Maqam-Melodik und Motorik-Groove als Trägermedium für Inhalte, die sonst kaum eine Bühne finden. Die Trance-Dramaturgie und die Improvisation bleiben, Text kommt als weitere Ebene der Begegnung dazu.
Haltung und Fördergründe
Deutschland ist ein Einwanderungsland. Mit Menschen, die aus anderen Kulturen kommen, wächst die Chance auf eine stabile, wohlhabende, wertschätzende Gesellschaft. Es gibt Kräfte, die stattdessen auf Trennung setzen — das verschärft prekäre Lebenslagen und widerspricht der im Grundgesetz verankerten Menschenwürde. EYPA setzt dem eine gelebte Praxis entgegen: kulturelle Ursprünge nicht bewahren, sondern vermischen. Keine KI könnte und sollte das leisten.
Das bedeutet, dass Konzerte und Workshops als Begegnungsräume zwischen Menschen mit und ohne Migrationsgeschichte fungieren, eine aktive Barrierefreiheit, eine ökologisch mitgedachte Tourlogistik — und ab jetzt Texte, die Sichtbarkeit schaffen für Perspektiven, die sonst untergehen. Förderwürdig ist EYPA in mehrerlei Hinsicht: musikalisch als Innovationstreiber mit eigenem Genre, gesellschaftlich als Projekt, das Verständigung nicht behauptet, sondern klingend und jetzt auch textlich herstellt.


